Seit 1983 engagiert sich der Garangoverein in Ladenburgs Partnerregion Garango im westafrikanischen Burkina Faso. Dieses Engagement war und ist von elementarer Bedeutung für die dort lebenden Menschen, da Burkina Faso eines der ärmsten Länder der Erde ist. Über diese gesamte Zeit war Florentine van Espen eine kompetente und verlässliche Stütze vor Ort, eine Unterstützerin der Partnerschaft von der ersten Stunde an. Sie hat sich mit ihrem uneigennützigen, den Menschen stets zugewandten Engagement ein hohes Ansehen in Garango und weit darüber hinaus erworben.

Florentine wurde am 3. April 1934 in Belgien geboren. Als junge Entwicklungshelferin reiste sie mit dem Vorsatz nach Afrika, drei Jahre lang bedürftigen Menschen auf diesem Kontinent beizustehen. Aus diesem Vorsatz wurde bis auf einige Reisen in die frühere Heimat Belgien ein Aufenthalt für das gesamte weitere Leben. 1963 verließ sie die Hilfsorganisation, für die sie tätig war, und fand in Obervolta, dem heutigen Burkina Faso, ihre Erfüllung. Unabhängig von einer Hilfsorganisation, aber mit von Sympathie getragener internationaler Unterstützung setzte sie sich überaus erfolgreich für den Bau von Schulen, Brunnen und medizinischen Einrichtungen ein. Sie arbeitete unermüdlich daran, die Lage besonders der ländlichen Gebiete mit Hilfe von Spenden aus Deutschland und Belgien zu verbessern. Grundpfeiler dabei waren für sie die Wahrung der Autonomie der Dörfer und die Nachhaltigkeit der Projekte. Florentine legte in ihrer Arbeit großen Wert darauf, die Selbstbestimmung der Dorfgemeinschaft nicht von außen durch ihr helfendes Eingreifen zu gefährden. Sie bat also immer erst um Erlaubnis, die Infrastruktur des jeweiligen Dorfes verbessern zu dürfen. Florentine achtete auch sehr darauf, durch Vernetzung der Projekte miteinander und durch die Übergabe von Verantwortung auf die Nutzerinnen und Nutzer ihre Arbeit nachhaltig zu gestalten.

Bereits 1965 gründete sie eine Hauswirtschaftsschule in Garango, die den Mädchen und jungen Frauen eine gute Chance für eine selbstbestimmte familiäre und berufliche Entwicklung ermöglichte. Später folgten Gründungen von Grund- und Mittelschulen sowie einer Informatikschule und eines Gymnasiums. Aber nicht nur die Weiterentwicklung des Bildungssystems lag ihr am Herzen, auch in medizinischer Hinsicht konnte sie viel für die Menschen in der Partnerregion Garango erreichen, so der Bau von Entbindungsstationen und Apotheken. Ihrem Engagement blieb sie bis ins hohe Alter leidenschaftlich verschrieben.

Am 21. Mai endete nach 92 Jahren das so segensreiche Wirken von Florentine van Espen, was eine große Trauer in Garango, in Burkina Faso und auch in Ladenburg auslöste.

Denise Blümmel, die Gattin des früheren langjährigen Vorsitzenden Ewald Blümmel, selbst beseelt vom Geist der Partnerschaft mit Garango, und das ebenfalls langjährige Vereinsmitglied Manfred Schneider berichten über die intensive Beziehung zwischen Florentine und der Partnerschaft: „Im Jahre 1982 holte Florentine die ersten Besucherinnen und Besucher aus Ladenburg ab, die nach Garango eingeladen waren, um sich kennenzulernen, noch bevor die Partnerschaft besiegelt wurde. Bei der feierlichen Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde in Ladenburg im Jahr darauf war sie wie selbstverständlich anwesend; in den Jahren danach pflegte Florentine die enge beidseitige Beziehung durch weitere Besuche.

In Garango war sie bei allen Reisen von Ladenburg-Delegationen eine warmherzige Gastgeberin. Sie war eine kraftvolle, energiegeladene Frau bei all ihren Aktivitäten, so auch, wenn sie die Delegationen eigenhändig mit ihrem großen Auto zu allen Projektorten in Garango chauffierte, wobei es auch mal wild über Schlaglöcher gehen durfte. Natürlich betätigte sie sich bei allen Aktivitäten auch als Vermittlerin und Dolmetscherin. Florentine war eine wunderbare Unterstützerin und Freundin für uns.“

1999 wurde Florentine van Espen Bürgerin des Staates, dem sie die allermeiste Zeit ihres Lebens gewidmet hatte. Mit einem Schmunzeln erzählte sie gerne, dass sie nach der Einbürgerung in Burkina Faso im Pass bei Augen- und Hautfarbe „schwarz“ stehen hatte. Sie meinte dazu, symbolisch stünde das wohl für ihre besondere Art der Integration.“

In ihrem Zuhause in Garango hatte Florentine folgenden Spruch an der Wand, der ihr Leben in Garango treffend zu beschreiben vermag: „La ou tu es semé, il te faut fleurir – da, wo du gesät wurdest, musst du aufblühen.“ Florentine van Espen hat ihr Leben lang geblüht. Bei den Menschen in Garango und weit darüber hinaus war sie hoch verehrt und für ihr Engagement geachtet. Sie wird auch in Ladenburg unvergessen bleiben.